Wallau


In 2014 haben die Wallauer ihr 725-Jahre-Jubiläum mit vielen gelungenen Veranstaltungen gefeiert. Die ca. 3.500 Einwohner haben großen Zusammenhalt bei der Bewältigung dieser großen Aufgabe gezeigt und dabei Wallau gut repräsentiert.
Das Dorf hat eine schöne Lage in einer waldreichen Berggegend, direkt an der Wittgensteiner Grenze. Durch das idyllische Tal fließt die Lahn, an deren Ufer beliebte und gut ausgeschilderte Rad- und Wanderweg führen, von der nahe gelegenen Lahnquelle bis zur Mündung in den Rhein, daneben noch an viele andere Ziele. Eine gute öffentliche Anbindung an das Verkehrsnetz ist gegeben. Geprägt wird der Ort durch die Kirche auf der „Hawer“. Erwähnt wurde sie erstmals in 1339, als die Grafen von Nassau das Patronat an die Herren von Hohenfels verliehen haben. Sie wurde ehemals als Marienkirche gebaut, an die noch die älteste Glocke und eine Mondsichel-Madonna aus der vorreformatorischen Zeit erinnern. Die Grundsteinlegung für die Erneuerung des Kirchenschiffes erfolgte im Jahr 1758. Im gotischenTurmraum, der aus der Zeit des 14. Jh. stammt, befinden sich sechs Epitaphien (Grabdenkmäler) der Adeligen von Breidenbach.

Das Dorf Wallau selbst lebte früher überwiegend von der Landwirtschaft, von deren Erträgen wegen des steinigen Lehmbodens sich oft nicht gut leben ließ. Deswegen verließen viele Bewohner zeitweise oder für immer das Dorf.
Erzfunde und die guten Waldbestände ließen im Lahntal eine Blüte der Hüttenindustrie – vor allem im Ofenbau - entstehen, bei denen die hiesigen Bauern ein bescheidenes, aber mühsames Auskommen neben der Landwirtschaft fanden. Zuerst als Fuhrleute und Lieferanten für Holzkohle, später auch als Former und Hüttenarbeiter. Viele arbeiteten als Maurer im Siegerland oder Ruhrgebiet, als Erntehelfer und Hirten in der Wetterau oder als Bedienstete der Freiherrn von Breidenbach.

Im 19. Jahrhundert sahen viele Wallauer eine bessere Zukunft in Amerika und anderen Ländern. Dadurch wurden etliche Häuser, Äcker und Wiesen verkauft, um die Überfahrten zu bezahlen.

Einen Aufschwung gab es durch den 1883 beginnenden Bau der Eisenbahnlinie von Marburg nach Kreuztal und Dillenburg. Nun konnte man die Güter per Schiene transportieren, und die Männer mussten nicht mehr nur zu Fuß an ihre Arbeitsstellen ins Siegerland und wieder zurück laufen. Auch der Weg zum Markt, aufs Amt oder ins Krankenhaus wurde einfacher.
Die Anbindung an Elektrizität in 1911 war ein weiterer Meilenstein, sowie eine Wasserleitung im Ort.
Im gleichen Jahr baute man eine moderne Schule mit Zeichensaal und Küche sowie einer Badeanlage.
Fritz Henkel (Begründer von Persil-Henkel in Düsseldorf), der seinem Wallauer Stammhaus sehr verbunden war, unterstützte den Bau einer Turnhalle, und der Sportplatz auf dem Erlenacker galt lange als vorbildlich.
Es entstanden Betriebe im Modell- und Maschinenbau, Schleifereien, eine Papiermühle, eine Ziegelei, mehrere Maurerbetriebe, Kfz-Werkstätten und anderes mehr.
Die beiden Weltkriege trugen dazu bei, dass noch mehr Fabriken mit erhöhter und neuer Produktion entstanden. Das hatte zur Folge, dass im letzten Weltkrieg auch Wallau von Bombenangriffen nicht verschont blieb.

Durch den Zuzug von über 600 Flüchtlingen und Heimatvertriebenen um 1945 hat sich das Dorf in den letzten Jahren sehr verändert und weiterentwickelt. Es wurden neben den bestehenden Fachwerkhäusern viele neue Häuser gebaut wurden, die Vereine bekamen neuen Zulauf und es wurden schöne Feste gefeiert. Zusammenhalt und die Liebe zum Dorf ist sehr ausgeprägt, wie im gesamten Hinterland.

Um 1960 bekam Wallau ein Hallenbad (inzwischen leider geschlossen) und anschließend eine neue Mittelpunktschule mit moderner Sporthalle.
Seit der Gebietsreform in 1974 ist Wallau ein Ortsteil von Biedenkopf.

Obwohl Wallau viele junge Familien hat und die KITA aus fünf Gruppen(einschl. einer Waldgruppe) und zwei Krippen-Gruppen mit ca. 140 Kindern besteht, wird die Wallauer Schule heute nur noch als Grundschule geführt. Weiterführende Schulen sind in Biedenkopf und Bad Laasphe vorhanden.
In Wallau findet man viele gute Einkaufsmöglichkeiten, zwei Bankfilialen, einen Arzt, Gaststätten und gutes Miteinander.
Durch den Bau einer Umgehungsstraße ist auch die Ortsmitte ohne verstopfte Straßen wieder attraktiver geworden.

Text überarbeitet von Monika Kafski